Warum Mitarbeitendenbefragungen und die Messung und Steuerung von Commitment wichtiger denn je sind, wird in diesem Beitrag dargelegt.

 

Die Welt ist komplexer und schneller geworden. Dies hat nachweisbare Auswirkungen auf Unternehmen: Sie müssen sich stärker am Kunden ausrichten und flexibel reagieren. Ziele müssen laufend angepasst werden. Unternehmen können in der VUCA-Welt immer weniger zentral gesteuert werden, daher wird gelebte Delegation immer wichtiger. Erfolgreiche Führung gelingt damit nur noch über das Commitment der Belegschaft.

Wir sind überzeugt, dass es gerade unter diesen Vorzeichen für Unternehmen zentral ist, sich regelmässig im Unternehmen zu treffen, um sich auf einer «Meta-Ebene» über die Grosswetterlage auszutauschen und geeignete Massnahmen abzuleiten.

Messung der Grosswetterlage

Moderne Mitarbeitendenbefragungen ermöglichen unter Zuhilfenahme ausgefeilter Technologien die Erfassung der Grosswetterlage: sie bieten eine Art Wetterkarte, eine auf objektiven Daten basierende Abbildung und Vereinfachung der Realität. Diese Daten sind die Grundlage, um zu diskutieren und Entscheidungen und Massnahmen zu treffen. Dabei ist es zentral, dass nicht darüber diskutiert werden muss, wer was warum gesagt hat und dass nicht Einzelmeinungen die Abbildung der Realität verzerren. Herzstück der Analyse von icommit ist das Handlungsportfolio, auf dem die 16 übergeordneten Dimensionen zur Arbeitssituation abgebildet werden. Auf der einen Achse werden die Ergebnisse im Vergleich zu einem Benchmark abgebildet und auf der anderen Achse die statistisch berechnete Bedeutung für das Commitment. Somit offenbaren sich die wahren Stärken und Potenziale.

Neues Tool hilft bei der Umsetzung von Massnahmen

Eine Befragung bei mehr als 300 Firmenkunden von icommit im letzten Jahr zeigte uns, dass Mitarbeitendenbefragungen nach wie vor als ein zentrales Steuerungsinstrument von Unternehmen geschätzt werden. Der Bedarf an solchen Befragungen ist unumstritten. Die befragten Firmen sehen aber den grössten Handlungsbedarf bei der Durchführung von Mitarbeitendenbefragungen in der Ableitung und Umsetzung von Massnahmen. Zudem wurde teilweise der Wunsch nach Messungen in kürzeren Zeitabständen und bei Möglichkeit kürzeren Fragebogen laut.

Auf dieser Grundlage hat icommit im letzten Jahr das Online Tool «Commitment Grow» entwickelt, das jedem Mitarbeitenden den Zugang zu den Ergebnissen seiner Gruppe, der Abteilung und des Gesamtunternehmens ermöglicht, und zugleich die Möglichkeit bietet, Massnahmen vorzuschlagen und diese in der Gruppe oder im Bereich festzulegen und zu tracken. Damit wird die Mitarbeitendenbefragung zu einem die Partizipation fördernden Bottom-Up Ansatz. Es geht nicht mehr darum, abzuwarten, was das Management für Massnahmen ableitet, sondern jeder Mitarbeitende kann einen Beitrag leisten, um seine Gruppe oder seine Abteilung weiterzubringen und damit die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu fördern.

Welche Einflussfaktoren fördern Commitment in Schweizer Unternehmen?

Committete Mitarbeitende sind die zentrale Zutat, um die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens – insbesondere in der VUCA-Welt – zu sichern. Denn committete Mitarbeitende sind bereit, die «Extrameile» zu gehen und Innovationen voranzutreiben. Sie haben einen aussergewöhnlichen Willen, sich für das Unternehmen und dessen Ziele einzusetzen – gerade auch in schwierigen Zeiten. Sie sehen sich als Dienstleister für das Unternehmen und dessen Kunden. Zudem bleiben sie im Durchschnitt deutlich länger bei einem Arbeitgeber, was sich positiv auf den Rekrutierungs- und Einarbeitungsaufwand auswirkt. Deshalb ist es zentral, eine Arbeitswelt zu schaffen, in der Commitment der Mitarbeitenden steigt.

Um die relevanten Einflussfaktoren auf Commitment zu identifizieren, braucht es ein wissenschaftliches Modell, das alle wesentlichen Hebel für Commitment erfasst. Unser langjährig bewährtes Messmodell haben wir in den letzten zwei Jahren in Zusammenarbeit mit der HWZ (Hochschule für Wirtschaft Zürich) auf dem Hintergrund der veränderten Arbeitswelt weiterentwickelt.

Die 16 Einflussdimensionen, die das Commitment beeinflussen, haben wir für eine jahresübergreifende, schweizweite Analyse der Korrelation auf Commitment nochmals in vier übergeordneten Themenbereichen zusammengefasst.

Der grösste Einfluss auf das Commitment hat über die letzten acht Jahre der Job Fit und die Einbindung des Mitarbeitenden. Wenn die Aufgabe zu den Fähigkeiten des Mitarbeitenden passt (häufig mit dem Wort «Passung» beschrieben) und wenn er ausreichend Verantwortung übernehmen kann bzw. eingebunden ist, ist der Mitarbeitende committet. Zudem ist vielen committeten Mitarbeitenden wichtig, dass sie sich im Beruf weiterentwickeln können oder zumindest auf dem Laufenden bleiben.

Der zweitwichtigste Themenbereich für das Commitment ist eine klare Strategie und der Kundenfokus. Der committete Mitarbeitende will wissen oder sogar mitbestimmen, wohin die Reise des Unternehmens gehen soll. Und er hat den Blick auf den Kunden gerichtet. Spannend ist, dass dieser Themenbereich für Commitment in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen hat. Dies passt zur Feststellung, dass immer mehr Schweizer Unternehmen durch einen starken Wettbewerb ihre Strategien und ihre Organisation den sich verändernden Bedürfnissen der Kunden permanent anpassen. Damit richten sich auch die Mitarbeitenden immer stärker an den Bedürfnissen der Kunden aus.

Auf der anderen Seite hat der Zusammenhalt im Unternehmen erstaunlicherweise über die letzten Jahre leicht an Bedeutung für das Commitment verloren. Ein Teil der Erklärung könnte sein, dass aufgrund der steigenden Marktorientierung und damit dem verstärkten Blick nach aussen, verbunden mit dem zunehmenden Arbeitsdruck, die Mitarbeitenden immer weniger Zeit für die interne Zusammenarbeit haben.

Die geringste Bedeutung für das Commitment der Mitarbeitenden haben die institutionellen Rahmenbedingungen, wie die Vergütung oder die Work-Life-Balance. An diesem Umstand hat sich die letzten Jahre keine Veränderung ergeben.

Die Reflexion in Gruppen und die Investition in Commitment lohnen sich

Dass die Ergebnisse zwischen Unternehmen und dann noch stärker zwischen einzelnen Gruppen und Abteilungen sehr stark variieren, ist naheliegend. Jedes Unternehmen und auch jede Gruppe ist in einer ganz individuellen Situation, die sich in den Ergebnissen spiegelt. Daher ist die Analyse der Grosswetterlage auf all diesen Ebenen sehr wertvoll.

Damit entsteht ein klares Bild, welche Faktoren sich auf das Commitment der Mitarbeitenden positiv auswirken. Dies ist entscheidend, um zukünftig überhaupt führen zu können. Andernfalls läuft man Gefahr, dass die Mitarbeitenden, die sich gerne für einen Arbeitgeber committen, das Unternehmen bald wieder verlassen.

Braucht es Investitionen, um Commitment zu erzeugen? Definitiv! Ist es dieser Initialaufwand wert? Absolut! Clevere Unternehmer stecken Zeit und Energie in den Aufbau von Commitment und werden die Früchte dieser Investition schon bald ernten können. Wissenschaftlich fundierte Mitarbeitendenbefragungen zeigen auf, welche Dimensionen es bei der Organisationsentwicklung zu berücksichtigen gilt.

Autorenbeschrieb

Sven Bühler, lic. phil., Psychologe, ist Geschäftsführer des Beratungs- und Befragungsunternehmens icommit, das jährlich die Befragung zum Swiss Arbeitgeber Award durchführt. www.icommit.ch www.swissarbeitgeberaward.ch

Originalbeitrag zum Herunterladen

Dieser Beitrag ist in der April-2020-Ausgabe von «Personal Schweiz» erschienen.
Beitrag als PDF-Download verfügbar: Mitarbeitendenbefragungen Personal Schweiz

Sven Bühler

Author Sven Bühler

More posts by Sven Bühler

Leave a Reply